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Demenz – Umgang mit dem Vergessen

Die Alzheimer Krankheit ist die häufigste Demenzerkrankung. Der fortschreitende Gedächtnisverlust macht Angst. Doch es lohnt sich, frühen Anzeichen nachzugehen und die vielfältigen Therapien in jeder Phase zu nutzen


Erinnerungen austauschen: Für Menschen, die an der Alzheimer-Krankheit leiden, ist die Vergangenheit oft lebendiger als die Gegenwart

Seit einigen Jahren gibt es auf den Internet-Seiten der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft einen Blog, auf dem Betroffene, Angehörige und Betreuer von ihren alltäglichen Erlebnissen mit Demenz-Kranken berichten. Es sind kurze Geschichten, die berühren und immer wieder auch positiv stimmen. Die Kranken erscheinen dort als Persönlichkeiten, verändert ja, eigen, schwer zu verstehen, aber anerkannt in ihrer Würde, akzeptiert in ihrer Selbstbestimmtheit, auch wenn sie nicht mehr fähig sind, für sich selbst einzustehen.

Solche Zeilen können im Kleinen Mut machen. Denn die Scheu ist groß, den allmählichen Verlust von Geist und Wesen anzunehmen und offen damit umzugehen. Für beide Seiten, für Betroffene wie Angehörige. Je früher sich jedoch alle Beteiligten auf eine Erkrankung wie die Alzheimer Krankheit einlassen, umso besser kann es gelingen, die notwendigen Schritte zu gehen und das Leben so zu gestalten, dass so viel Lebensqualität wie möglich bewahrt bleibt.


An einer Demenz erkranken vor allem Hochbetagte

Über eine Million Menschen über 65 leiden in Deutschland an einer Demenzerkrankung, der höchste Anteil findet sich bei den über 80-Jährigen. Zwei Drittel von ihnen haben die Alzheimer Krankheit. Diese Abbauerkrankung des Gehirns führt zu einem stetigen Verlust des Gedächtnisses und geistiger Fähigkeiten. In der Folge verändert sich auch die Persönlichkeit der Betroffenen nachhaltig, sie können ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen und verlieren den Bezug zu der sie umgebenden Welt. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr sind sie auf Betreuung und Pflege angewiesen.

Eine solche Entwicklung löst berechtigterweise Ängste aus. Eine Umfrage der Apotheken Umschau zu den größten Ängsten der Deutschen ergab, dass sich die überwiegende Mehrheit davor fürchtet, im Alter nicht mehr selbstständig für sich sorgen zu können.

Mit der weiter steigenden Lebenserwartung in unserer Gesellschaft werden auch Demenzerkrankungen zunehmen. Dazu gehören neben der Alzheimer Krankheit andere Krankheiten wie Durchblutungsstörungen im Gehirn bei der vaskulären Demenz. Jahrelang schlecht eingestellter Bluthochdruck und Arteriosklerose spielen hier eine maßgebliche Rolle. Weitere Hirnabbauerkrankungen sind die Pick-Krankheit oder die Lewy-Körper-Krankheit. Entzündliche Gehirnerkrankungen, chronischer Alkoholismus und weitere körperliche und seelische Störungen können ebenfalls die Entwicklung einer Demenz zur Folge haben.

Erste Hinweise auf krankhafte Gedächtnisstörungen

Nicht jede Vergesslichkeit im Alter deutet schon eine beginnende Demenz an. Stress, seelische Belastungen, körperliche Krankheiten wirken sich oft auch auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Es gibt zudem leichte Formen der Altersvergesslichkeit, denen sich mit einer Reihe von Maßnahmen wie gesunder Lebensweise, Gedächtnistraining, psychologischer Unterstützung und anderem gut gegensteuern lässt.

Wichtig ist es jedoch immer, bei ersten auffallenden Gedächtnisproblemen den Hausarzt aufzusuchen und die Beschwerden zu schildern. Das gilt vor allem, wenn die Gedächtnisstörungen sich häufen, sich auf gewohnte Tätigkeiten auswirken und wenn Freunden und Verwandten solche Defizite auch schon aufgefallen sind. Eine Reihe von Untersuchungen und Tests zeigt dann, welche Ursachen für die Ausfälle verantwortlich sind und ob sich der Anfang einer Demenzerkrankung abzeichnet.

Sich der Krankheit stellen

Eine frühe Diagnose bringt große Vorteile für alle Beteiligten. Die Betroffenen selbst sind noch in der Lage, ihre Zukunft eigenständig zu planen. Viele ziehen sich vorschnell zurück, sobald sie bemerken, dass ihr Gedächtnis sie im Stich lässt. Sie wollen nichts falsch machen oder nicht auffallen. Gezielte Behandlungsprogramme, dazu gehören sogenannte psychosoziale Therapien mit Verhaltens- und Beschäftigungstherapien, setzen hier an. Sie helfen, das alltägliche Leben trotz der sich immer wieder einstellenden Hindernisse weiterhin aktiv zu gestalten. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Psyche und hilft, Depressionen vorzubeugen. Medikamente wie Antidementiva können mitunter das Fortschreiten der Erkrankung für einige Zeit verzögern.

Selbsthilfegruppen geben Rückhalt. Der Erfahrungsaustausch hat für Betroffene wie Angehörige einen entscheidenden Stellenwert. In Patienten-Foren können sich die Erkrankten selbst mit ihren Anliegen und Wünschen äußern, manchmal auch mit Hilfe professioneller Betreuer. Inzwischen gibt es auch Ratgeber und Informationsmaterial, das sich nicht nur, wie meist üblich, an die Angehörigen, sondern an die Patienten direkt richtet. Damit haben diese die Möglichkeit, sich unabhängig darüber zu informieren, welche Schritte das Leben mit der Krankheit erleichtern, welche Planungen zu treffen sind, wo sie dazu Hilfe bekommen und vieles mehr.

Eine gut durchdachte und organisierte Pflege kann die Sorge vor der Zukunft nehmen. Es sind viele Räder, die ineinandergreifen und damit Entlastung für alle bringen.

Wissenschaftler aus der ganzen Welt gehen neuen Erkenntnissen aus der Medizinforschung nach auf der Suche nach weiteren Medikamenten oder möglichen Impfstoffen. Bis sich auf diesem Gebiet wegweisende Durchbrüche zeigen, geht es für Demenz-Erkrankte darum, Zugang zu den bestmöglichen Therapien zu erhalten sowie von Menschen umgeben zu sein, die ihnen mit Verständnis und Respekt begegnen.



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Weiterführende Informationen und Kontakte

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Andrea Blank-Koppenleitner, www.senioren-ratgeber.de; 08.04.2010, aktualisiert am 20.05.2011
Bildnachweis: Stockbyte/ RYF

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